Pferdeweide

Pferdeweiden: was wächst denn da?

Magere Pferdeweiden als Problemlöser?

aus Pferd & Freizeit (2006/2) | VFD-Verbandszeitschrift
Autor: Dr. rer. nat. Renate U. Vanselow
Redakteur: Nicole Fersing (18.09.2006)

Freizeitreiter der VFD sind allgemein in Fragen der Pferdehaltung und Weidebewirtschaftung gut unterrichtet. Die Stammtische bieten ein gutes Forum für Informationen. Viele VFD-Mitglieder legen sich im Laufe der Jahre eine solide Bibliothek an. Und dennoch ist kaum bekannt, welche rasante Entwicklung das Weideland in den vergangenen Jahrzehnten durchgemacht hat.

Nur wenigen Pferdehaltern ist bewusst, dass Grünland für Pferde anders gestaltet sein muss als für Milchkühe. Daher muss ich als Pferdehalter zuerst wissen, wie das mir angebotene Grünland beschaffen ist und wie es in seinem Zustand gefestigt wird, bevor ich entscheiden kann, ob dieser Aufwuchs und der dazu notwendige Boden für Pferde geeignet ist oder verändert werden sollte.

Künstliche Dünger gibt es erst seit 1913. Mit der Entwicklung des „Haber-Bosch-Verfahrens“ wurde es möglich Luftstickstoff großindustriell nutzbar zu machen. Doch bis zum Ende des zweiten Weltkriegs war Stallmist billiger. Das Pferd war bis dahin als Arbeitstier unersetzlich. Die Industrialisierung verdrängte mit Maschinen das Pferd. In den Siebzigern glaubte man, das Pferd würde aussterben und höchstens als Zootier überleben. Freizeitreiter konnte sich damals kaum einer vorstellen.

Das Grünland wurde benötigt für die Ernährung der Rinder. Die Wirtschaft verlangte immer höhere Leistungen vom einzelnen Tier. Die Haltung vieler leistungsschwacher Tiere war unrentabel. Wer seine Landwirtschaft nicht aufgeben wollte, musste mitziehen. Die Milchleistung wurde züchterisch enorm gesteigert. Damit die laktierenden Milchkühe nicht verhungerten, waren qualitativ extrem hochwertige Grassaaten notwendig. Der Preisdruck diktierte die Zucht von Rindern und Gräsern, die mit ursprünglichen Wildformen nur noch äußerliche Ähnlichkeiten haben. Um diese Qualitätsgräser kultivieren zu können, mussten die Böden entsprechend verbessert werden. Pflegemaßnahmen zur Qualitätssicherung des Grünlandes waren und sind unabdingbar.

Bedürfnisse von Rindern und Pferden

Die unterschiedlichen Ansprüche von Rind und Pferd äußern sich bereits im Umgang des Tieres mit seiner Lebensgrundlage. Wird das Rind als leicht trittschädigend eingestuft, ist das Pferd deutlich schädigend.

Im Fressverhalten zeigt das Pferd einen klar selektiven Einfluss, bedingt durch seine Anatomie (Lippen, Zähne und Zunge, Verdauungstrakt). Rupfen Rinder die Grasbüschel recht hoch ab, so verbeißen Pferde die Grasnarbe sehr tief. Diese drastische Einwirkung vermindert die Artenvielfalt auf den Flächen. Entsprechend lässt man Pferde ohne Schädigung des Grünlandes nur auf ebenen, trockenen Flächen mit recht gutem Nachwuchsvermögen (Futterertrag hoch) laufen.

Vergleicht man Angaben über die Qualität, die Raufutter für Milchvieh und Freizeitpferde aufweisen soll, so stellt man fest: Pferde sollen Heu mit einem höheren Rohfasergehalt bekommen, weniger Rohprotein, einer insgesamt geringere Verdaulichkeit und entsprechend im Energiegehalt niedrigeren Werten. Andererseits findet man bei Pferden eine geringere Verdaulichkeit der Rohfaser als bei Rindern, eine höhere Verträglichkeit bei Zucker, Stärke und Fetten. Verträglichkeit ist nicht gleich Verdaulichkeit, sondern kann heißen, dass aufgrund einer schlechteren oder anderen Verdauung keine oder andere Probleme auftreten als beim Rind.

Rinder haben als Wiederkäuer große Mengen an Mikroorganismen als symbiontische Helfer der Verdauung gleich am Anfang des Verdauungstraktes in den Mägen, während das Pferd als Enddarmfermentierer entsprechende Gärkammern im Grimm- und Blinddarm am hinteren Ende des Verdauungskanals aufweist. Zudem können Rinder mit Hilfe eines Harnstoff-Recyclings (ruminohepatischer Kreislauf) über längere Zeit mit eiweißarmem Futter überleben, indem sie den Harnstoff in den Pansen zurück bringen, anstatt ihn über den Harn auszuscheiden. Diese Anpassung an extreme Standorte ist ebenso bemerkenswert wie die deutlich höhere Effektivität beim Aufschließen „wertlosen“ Futters (Rohfaser, Lignin). Ungeeignete Futtermittel können in den Mägen des Rindes zu überstürzten Gärvorgängen führen, so wie beim Pferd in den Gärkammern des Enddarmes.

Um die Unterschiede zwischen Rind und Pferd zu verstehen, und so die unterschiedlichen Ansprüche ans Grünland, lohnt es sich, den Verdauungstrakt zu betrachten. Hat das Pferd eine Darmlänge, die dem Zehnfachen seiner Körperlänge entspricht, so ist es beim Rind das 20-fache. Das Pferd weist einen im Verhältnis zur Körpermasse sehr kleinen Magen auf (je nach Rasse acht bis 20 Liter). Die Gärkammern Blinddarm (30 bis 40 Liter) und Grimmdarm (bis 96 Liter) liegen am Ende des Verdauungstraktes.

Insgesamt kann ein großes, schweres Pferd bis zu 212 Liter Verdauungsinhalt mit sich herumtragen. Beim Rind machen bereits die Wiederkäuermägen je nach Rasse 110 bis 230 Liter Fassungsvermögen aus. Neben dem Volumen der Verdauungsflüssigkeit und der mikrobiellen Effektivität ist die Dauer entscheidend, die zur Verwertung zur Verfügung steht. Schiebt ein Pferd den Nahrungsbrei in 35 bis 52 Stunden durch seinen Körper, darf der Brei beim Rind sogar 80 Stunden zur Verwertung verweilen.

Damit wird verständlich, warum Rinder lignifizierte Luzernefaser zu 70 Prozent verdauen können, Pferde aber nur zu 50 Prozent. Da Mikroorganismen viele Gifte entgiften können, sind Rinder dem Pferd auch hier überlegen. Hieraus wird deutlich, warum ein Pferd im Gegensatz zum Rind pausenlos Futter aufnimmt und dieses wie auf einer Autobahn weiterschiebt. Was nicht vor Ort verdaut werden kann, darf nicht länger verweilen. Der kleine Magen zwingt zur Futteraufnahme, will das Pferd nicht verhungern.

Bei falscher Befüllung des Verdauungstraktes kommt es leicht zu Fehlgärungen, insbesondere in den Gärkammern. Das Rind hingegen kann seine Pansen nicht beliebig füllen, ohne zu pausieren und durch gründliches Wiederkäuen für neuen Platz zu sorgen.

Pferde wurden im Gegensatz zur Milchkuh auf Leichtfuttrigkeit bei hoher Arbeitsleistung gezüchtet. Pferde bewegen sich mehr als Rinder, benötigen nur wenig Energie bei Erhaltungsbedarf und sind auf genug Raufaser angewiesen, soll die Verdauung nicht entgleisen. War die Besatzdichte mit Rindern auf dem Qualitätsgrünland mit zwei Tieren pro Hektar schon hoch im Vergleich zu naturbelassenen Flächen, so sind viele Landwirte erstaunt, wie viel mehr Pferde vom gleichen Grünland satt werden.

Wäre die Bodenverdichtung nicht katastrophal und der tiefe Verbiss der Ruin der Grasnarbe, wäre das Pferd so etwas wie eine goldene Kuh. Doch die Zerstörung der Grasnarbe bei zu hohem Besatz oder die Verfettung der Pferde bei vernünftigeren Besatzdichten scheinen die Pferdehaltung auf modernem Grünland schier unmöglich zu machen.

Unser heutiges Weideland / Grünland für Milchvieh muss energie- und eiweißreich sein. Der Rohfasergehalt darf nicht zu hoch sein, kann die Milchkuh doch nicht beliebig viel in ihren Pansen füllen. Bedenkt man, dass Rinder ursprünglich dank einer Anpassung an extrem eiweißarme Biotope wenigstens zeitweise völlig eiweißfrei gehalten werden können, und in der Verwertung von Rohfasern dem Pferd weit überlegen sind, macht Folgendes den Zuchterfolg deutlich:

Eine Kuh, die 7000 Liter Milch im Jahr gibt, benötigt am Tag 21 Kilogramm Trockenfutter, aufgeteilt je zur Hälfte in Heu und Pellets. Angestrebt wird übrigens die 16.000-Liter-Kuh. Trotz bester Grünlandqualität benötigt diese Kuh Zusatzfutter mit eiweißhaltigem Soja. Extensivgrünländer in Naturschutzgebieten können zur Ernährung solcher Hochleistungs-Milchkühe nicht genutzt werden!

Zucht auf hohe Energiegehalte im Gras erhöht auch den Anteil an Fruktanen. Bei kaltem Klima wurden Werte von deutlich über 200 Gramm pro Kilo Trockenmasse Gras in Leistungsgräsern gemessen. Diese Gehalte führen bei ungebremster Futteraufnahme schnell zum Überschreiten des für Pferde als kritisch geltenden Wertes. Die intensive Bewirtschaftung führt nicht nur zu hohen Erträgen, sondern ermöglicht durch den hohen Biomassezuwachs eine sehr hohe Besatzdichte. Ungedüngte, extensiv genutzte Böden ernähren selten mehr als ein Stück Großvieh (eine Großvieheinheit GV entspricht 500 Kilogramm Lebendgewicht) pro Hektar aufs Jahr gerechnet. Meist kann man nur maximal 0,6 GV pro Hektar in Naturschutzgebieten rechnen. Die intensive Nutzung bewirkt durch den hohen Vertritt eine enorme Bodenverdichtung, verbunden mit Staunässebildung, mangelnder Bodenbelüftung sowie Schädigung der Grasnarbe und eventuell Erosion speziell an Hängen.

Damit wird verständlich, warum Zeigerpflanzen für (Stau-) Nässe, Bodenverdichtung, Lücken und Düngerzeiger auf den Flächen Fuß fassen. Da die Qualitätsgräser hohe Ansprüche an den Boden stellen, muss ständig für optimale Ernährungsverhältnisse gesorgt werden. Besonders Stickstoff fördert das Wachstum der so genannten „düngefreudigen“ Gräser und ermöglicht ihnen einen Vorteil vor Konkurrenten wie Weißklee. Tatsächlich kann man heute die gewünschten Gräser dank einer optimierten Grünlandpflege auf quasi allen Böden und Standorten kultivieren – ein landwirtschaftlicher Erfolg, von dem man vor wenigen Jahrzehnten nicht zu träumen wagte. Hohe Gehalte an Kohlenhydraten, die von Milchsäurebakterien verwertet werden können, machten die Gräser besonders silierfähig, eine Voraussetzung der Konservenherstellung für den Winter. Neben einfachen Zuckern sind auch Oligo- und Poly-Fructosyl-Zucker, allgemein als Fruktane bezeichnet, zu Milchsäure umsetzbar. Der auf Futtertabellen angegebene Energiegehalt der Gräser spiegelt unter anderem diese Verbindungen wieder.

Die ursprünglichen Wildformen der für diese Zucht geeigneten Gräser stammen aus feuchten bis nassen, nährstoffreichen Biotopen. Hochwüchsige, mastige und schmackhaft süße Gräser finden sich ursprünglich in nährstoffreichen Auenwäldern, Flutrasen der Flüsse und Küsten oder im Verlandungsbereich nährstoffreicher Seen. Das moderne, aus diesen Grasarten gezüchtete Grünland verdrängte weniger produktive, aber artenreiche Wiesen und Weiden. Die Zuchtgräser können auf drainierten, also vertrittfesten und befahrbaren Böden nur mit Hilfe der modernen Bewirtschaftung gedeihen, denn „Stickstoffdünger ersetzt Wasser“ (macht den Wasserverbrauch der Pflanze effizienter) und „Stickstoffdünger ersetzt Sauerstoff“ (gleicht schlechte Wurzelbelüftung aus). Damit können diese Gräser fast überall kultiviert werden, vom Moor über Lehm bis zum Sand.

Bei schlechter Bewirtschaftung geraten die Zuchtgräser auf den nicht ursprünglichen Biotopen jedoch unter Stress. Für Birkenpollen ist bekannt, dass in der Schale der Pollenkörner Eiweiße gefunden werden, die hochgradig Allergien auslösen – wenn die Birke unter Stress stand. So verwundert vielleicht die Tatsache nicht mehr, dass Weidelgräserpollen als die Gräserpollen gelten, die besonders häufig Allergien verursachen. Während Stickstoff aus Böden bald ausgewaschen wird, bleiben die Phosphor- und Kaliumgaben auch ohne Nachdüngung jahrelang in vielen Böden vorhanden, wodurch der Stickstoff zum Minimumfaktor wird.

Ungedüngt und ungepflegt geraten die Zuchtgräser unter Stress und drohen auf lange Sicht von Kräutern und „Ungräsern“ verdrängt zu werden. Klee liebt ehemalige Intensivweiden mit Stickstoffmangel, kann er doch mit Hilfe der Knöllchenbakterien Luftstickstoff nutzbar machen und ist somit optimal versorgt.

Was heißt „Extensivhaltung“?

Pferde sind eindeutig Grasfresser. Wenn dem so ist und die gesündeste Haltung in ganztägigem Weidegang der Pferdeherden zu sehen ist, stellt sich die Frage, wie der Pferdehalter seinem Pferd eine gesunde Haltung bieten kann. Sind magere Weiden wirklich „besser“ für Pferde? Sehr wenig Fläche bei vielen Pferden (mehr als zwei Großvieh pro Hektar) kann nur eine Intensivwirtschaft zulassen. Um der Erkrankung der empfindlichen Tiere vorzubeugen, muss der Aufenthalt hier regelmäßig zeitlich begrenzt werden.

„Mager“ wird häufig verwechselt mit überweidet, ausgebeutet, verunkrautet oder jahrelang ungedüngt ohne Kontrolle. Doch: Weder kurzgenagte Flächen mit Greiskräutern noch Kleewiesen oder ehemalige Winterausläufe sind als Magerweiden einzustufen oder für Pferde geeignet. Solche Flächen sind ökologisch wie gesundheitlich bedenklich. Sie entstehen nach übermäßigem Besatz aus schlecht gepflegten Intensivgrünländern.

Magere Weiden ernähren nur sehr wenig Vieh. Oft sind mehr als zwei Hektar nötig, um ein Großvieh ganzjährig zu ernähren. Insofern sollte niemand von naturnaher Haltung auf Magerwiesen träumen, der nicht über entsprechende Flächen verfügt!

Von einer Magerweide kann man erst sprechen, wenn typische Magerkeitszeiger die Nährstoffzeiger verdrängen. Ist die typische Düngeweide als Weidelgras-Weißklee-Gesellschaft ausgesprochen artenarm (Monokultur), so zeigen alte, ursprüngliche Dauergrünländer und echte Magerstandorte eine hohe Artenvielfalt. Neben vielen verschiedenen Gräsern kommen Kräuter vor. Der optimale Zeitpunkt für eine Heumahd kann bei artenreichen Wiesen um bis zu acht Wochen verschoben werden, ohne dass die Qualität leidet. Dadurch kann ungünstiges Klima umgangen werden, während auf Intensivweiden oft nur die Silierung das Erntegut vor dem Verregnen rettet.

Da Mineralstoffmessungen an Gras aus Extensivgrünland deutlich höhere Werte zeigen bei einem günstigeren Kalzium-Phosphorverhältnis als an Gras aus Intensivgrünland, ist Ersteres aus gesundheitlichen Gründen wertvoller. Neben dem Rohfasergehalt ist auch der Kieselsäureanteil höher. Es lohnt sich also, Heu aus Naturschutzflächen zu kaufen, vorausgesetzt es wurde trocken geworben und enthält keine Giftpflanzen. Da im Naturschutz einschürige Mahd zum Ende der Grasblüte oder später erfolgt, um Pflanzensamen und Tierwelt zu fördern, ist dieses kräuterreiche Heu besonders rohfaserreich.

Wie verändere ich meine Weide?

Verarmung ist ein Prozess, der je nach Boden Jahre bis Jahrzehnte dauert, selbst wenn vier Heumahden im Jahr ohne Düngung durchgeführt werden. Sandböden sind dabei leicht und schnell zu verarmen (aushagerbar). Tonhaltige Böden und mächtige Humusschichten speziell von Böden, die von Natur aus fruchtbar sind, halten Nährstoffe fest oder zeigen sogar Selbstdüngeeffekte. Solche Böden auszuhagern ist nicht sinnvoll! Weidelgräser zu verdrängen ist nicht einfach, denn die sind auf Kampfkraft gezüchtet, also sehr konkurrenzstark. Man muss sie aushagern. Ohne Düngung bei vier Mahden auf normal fruchtbaren Böden ist das in fünf bis acht Jahren möglich, bei Sand schneller, auf sehr guten Böden quasi aussichtslos. Auf Flutrasen wachsen Weidelgräser von Natur aus. Ob da allerdings die Zuchtsorten per Pollenflug die Fruktane nach Kreuzung steigern, das wurde noch nicht untersucht!

Wenig bekannt bei Pferdehaltern sind die Probleme, die im Naturschutz bei der Renaturierung von zuvor intensiv genutzten Flächen bestehen. Es gibt bisher kein zuverlässiges Renaturierungskonzept, das Erfolg garantiert. Die zum Teil verzweifelt anmutenden Maßnahmen im Naturschutz reichen von Abtrag des Oberbodens bis hin zur Düngung mit Holzspänen oder Zuckerlösung aus dem Güllewagen. Insofern darf niemand glauben, mit ein bisschen weniger Düngung den gewünschten Zustand zu erreichen. Aufdüngen von Böden ist weit schneller möglich als Aushagern, und Letzteres ist schwer zu kontrollieren, da viele Bodeneigenschaften mitwirken. Daher sind ursprüngliche Biotope umso wertvoller und schützenswert. Sie bieten nicht nur Raum für eine hohe Artenvielfalt, sowohl für Pflanzen als auch für Tiere, sie sind gleichzeitig wertvolle Futterlieferanten. Ihre Zerstörung durch moderne Intensivierung ist nicht ohne weiteres wieder rückgängig zu machen, teilweise sind die Flächen unwiederbringlich verändert.

Fruchtbare Böden erfordern immer Weidezeitbegrenzung

Je nach Boden sind also unterschiedliche Strategien notwendig. Auf fruchtbaren, von Natur aus produktiven Böden sollte altes, artenreiches Dauergrünland stehen. Da dieses Futterangebot für leichtfuttrige Rassen oft zu üppig ist, sollte die Vegetation auf keinen Fall kurzgenagt werden, um die Futtermenge zu reduzieren. Das würde die Artenzusammensetzung stark negativ beeinflussen und Weideunkräuter begünstigen. Stattdessen sollte die Stundenzahl begrenzt werden und die Pferde möglichst erst auf das überständige Gras (abgeblüht) gelassen werden, weil dann der Rohfasergehalt hoch und der Fruktangehalt niedrig ist.

Warmblüter sind meistens (aber nicht immer!) weniger leichtfuttrig und auf produktivem, altem Dauergrünland gut zu halten.

Maßnahmen zur Weideveränderung

Auf armen Böden kann bei genug vorhandener Fläche eine langsame Verarmung versucht werden. Nicht düngen ist hier oft nicht ausreichend. Bodenproben sollten den Vorgang begleiten. Ungünstige Verschiebungen müssen gegebenenfalls durch gezielte Maßnahmen ausgeglichen werden. Neben gezielter Düngung beziehungsweise Kalkung – bei zu einseitiger Veränderung des Bodens – , können Pflegemaßnahmen wie Abäppeln, Mulchen oder Mahd den Vorgang gezielt beeinflussen. Mulchen führt auf Dauer zu einem deutlichen Nährstoffaustrag, wirkt also verarmend.

Werden die Pferde mit Futter versorgt, das nicht von den Flächen stammt, führt dies zur Düngung der Flächen.

Wurmkuren behindern Abbau des Mistes

Schließlich muss bei hohen Besatzdichten auf die unnatürlich hohe Verwurmung hingewiesen werden. Wie nützlich Mischbeweidung oder wechselnde Beweidung von Rindern und Pferden ist, ist bekannt. Die extremen Besatzdichten, die moderne Grünlandbewirtschaftung zulässt, führen zwangsläufig zu starker Verwurmung, was häufigen Einsatz von Entwurmungsmitteln verlangt. Nicht umsonst steht auf dem Beipackzettel mancher Wirkstoffe, dass Pferde nach der Entwurmung nicht in der Nähe von Gewässern oder in Wasserschutzgebieten weiden dürfen.

Es ist Pferdehaltern wenig bekannt, dass die Entwurmungsmittel teilweise über Monate hinaus die Besiedlung und Zersetzung der Kotballen durch Würmer und Insektenlarven verhindern. Speziell die großen Mistkäfer, deren Larven sich im Kot entwickeln, sind wiederum im Frühjahr und Herbst wichtige Beutetiere der Fledermäuse. Vor und nach der Winterpause sind diese auf fette Nahrung angewiesen.

Geringere Besatzdichten und weniger Gebrauch von Parasitiziden wären also auch ein Beitrag zum Schutz aller Insektenfresser.

Problemfeld Giftpflanzen

Dürfen sich Gebüsche in die Weide ausdehnen und werden vom Vieh an den Rändern verbissen, so ist das förderlich für viele Singvögel, für Spinnen ebenso wie für Insekten. Selbstverständlich gilt: Je weniger Fläche und Futterangebot den Pferden zur Verfügung steht, desto sicherer müssen die Zäune sein, und desto mehr muss auf Giftigkeit von Pflanzen geachtet werden.

In Naturschutzgebieten, in denen ganzjährig Grasfresser wie Koniks und Galloways die Landschaft pflegen, stehen selbstverständlich Giftpflanzen wie Besenginster, Traubenkirschen und vereinzelt Greiskräuter.

Diese Pferde und Rinder wachsen in der Landschaft auf, sie lernen, was in welcher Menge gefressen werden kann, und sie verbeißen in verträglichen Maßen sogar den Besenginster ohne Schaden zu nehmen. Diese Tiere stehen aber auf Flächen, auf denen man stundenlang nach ihnen suchen kann, ohne je ein Tier zu Gesicht zu bekommen. Derartige – so genannte „halboffene Weidelandschaften“ – sind mit normalen Pferdehaltungen nicht vergleichbar.

Weil unsere Pferde durch Zäune geschützt und durch Zäune begrenzt aufwachsen, müssen wir als Kehrseite der Medaille auch die Verantwortung übernehmen. Wer nicht bereit ist stundenlang sein Reitpferd zu suchen, sondern ein greifbares Pferd bevorzugt, darf nicht erwarten, dass das Pferd die Fähigkeiten eines wilden Pferdes entwickelt und weiß, was es unbeschadet fressen darf.

 

aus Pferd & Freizeit (2006/2) | VFD-Verbandszeitschrift
Autor: Dr. rer. nat. Renate U. Vanselow
Redakteur: Nicole Fersing (18.09.2006)   Den Artikel durften wir mit freundlicher Genehmigung des VFD-Pressedienstes übernehmen.