Mengen- und Spurenelemente

Viel hilft viel!
Leider nein. Auch bei der Fütterung gilt das Gesetz des Minimums. Erschwerend kommt noch dazu, dass ein Überschuss einiger Futterbestandteile die Aufnahme anderer wichtiger Stoffe erschweren.

Statt den schönen Versprechungen auf einzelnen Pferdefuttersäcken und Dosen zu erliegen oder die eigene Nase zur Kauf-Entscheidung heranzuziehen, kommen wir ums Rechnen und ums Überlegen nicht wirklich herum.

Der Stoffwechsel unserer Pferde ist eher eine Art Regelkreislauf: aus dem vorhandenen Angebot wird versucht, durch Kompensation, das Optimum herauszuholen.
Unsere Pferde dürfen sich nur wenig bis gar kein Futter selber suchen und müssen sich mit der eingeschränkten Auswahl begnügen, die wir Ihnen zur Verfügung stellen.

Dass Raufutter die Basis der Pferdefütterung darstellt, ist selbstverständlich. Schauen wir hier mal nur auf den Calcium-Gehalt bei der Heufütterung: die tägliche Heumenge für das Pferd wird mit 1,2 bis 1,5 kg pro 100 kg/Lebendgewicht des Pferdes angesetzt.
Je nach Heuernte sind nun ganz unterscheidliche Calcium-Gehalte pro kg Trockensubstanz (TS): die Spannbreite wird von Bender mit 3 bis 10 g je kg Heu (TS) angegeben.

Vor der Blüte geschnittenes Heu ist calcium-arm. Gerade dieses Heu wird aber immer seltener für Pferde genutzt. Gerade die Robustpferdehalter achten auf Heu, dass kurz nach der Blüte geschnitten wurde, um einen niedrigeren Energiegehalt im Heu zu erzielen. Besonders clacium-reich sind klee- und kräuterreiche Heusorten und vor allem Luzerne.

Der Calcium Bedarf beim Pferd liegt bei 5 gr pro 100 kg Lebendgewicht. Damit wäre der Calcium-Gehalt der Pferde bei einer bedarfsgerechten Heuversorgung gedeckt bzw. je kräuterreicher das Heu wahrscheinlich bereits überversorgt.

In Grenzen toleriert ein Pferd einen leichten Calcium-Überschuss (Überschreiten der Norm um das 2-3 fache) recht gut: vorausgesetzt, dass andere Elemente (Phosphor, Magnesium, Mangan, Eisen, Zink) ausreichend vorliegen!

ABER: ein Calcium Überschuss verschlechtert die Aufnahme von Mangan, Zink und Kupfer!

Naja – und nun ergänzen wir durch die Zufütterung von Kraftfutter und allerlei Pülverchen die Grundversorgung – und bringen damit nicht selten allerlei durcheinander.

Alles was zugefüttert wird, hat z.Teil auch Nachteile: die rein rechnerisch in der Futterration enthaltene Calcium-Menge muß noch lange nicht vom Pferd verwertbar sein:  Phytinsäure (in den Randschichten von Getreide) bildet mit Calcium schwer lösliche Calcium-Phytate. Die in Rübenschnitzel, Trockenschnitzel oder Luzernegrünmehl vorkommende Oxalsäure bildet mit Calcium das schwerlösliche Calcium-Oxalat, das dem Organismus nicht zur Verfügung steht.

STOP
Ich will Sie nicht entmutigen ;-) …. aber bevor wir das nächste Zusatzfuttermittel zu den bereits 2 Mineralpulvern hinzukaufen, sollten wir kurz mal innehalten.
Bei der Pferdefütterung gilt häufiger WENIGER ist MEHR! Es bringt nichts, das Pferd mit allerlei Mittelchen überzuversorgen: das belastet nur Leber- und Niere und bringt den Stoffwechsel noch weiter durcheinander. Es gilt den Bereich zu finden, der als limitierendes Element wirkt!

Lassen Sie uns auf Spurensuche gehen …
Das Karusell der Verpflechtungen untereinander: Mengen- und Spurenelemente, Vitamine und Co.

Eine (mineralische) Fehlernährung besteht nicht nur in einer Unter- oder Überversorgung, sondern auch in einer Imbalanz zwischen den Elementen!

Die vielfältigen Interaktionen zeigt sich in der Abbildung:
Mineralstoff- und Spurenelement-Interaktionen nach Wiesner (1970)

Eine mineralische Fehlernährung besteht nicht nur in einer Unter- oder Überversorgung, sondern auch in einer Imbalanz zwischen den Elementen. Diese vielfältigen Interaktionen sind in dem Diagramm dargestellt:

Ganz interessant: siehe Info bei Equestro
Gefahren der Überversorgung bei Spurenelementen sind abhängig von ihrer Aufnahme:

Anorganisch gebundene Spurenelemente werden im Dünndarm zuerst in ihre ionisierte Form überführt, bevor sie anschließend über 2 unterschiedliche Wege resorbiert werden. Kupfer, Eisen, Mangan und Zink unterliegen einem aktiven Transportmechanismus (Komplexbildner).
Durch diesen Regulationsmechanismus wird mit steigender Zufuhr die Aufnahme in den Körper verringert. Damit wird einer überhöhten Aufnahme entgegengesteuert und so bei Überversorgung das Risiko von Vergiftungen verringert.

Bei Selen und Jod erfolgt die Aufnahme durch Diffusionsprozesse. Dies bedeutet, dass die Aufnahme in den Körper weitgehend nicht reguliert wird und damit mit steigender Zufuhr das Risiko einer Überversorgung bzw. einer Intoxikation steigen kann.

Die Abbbildung oben zeigt optisch die stark untereinander abhängigen Verbindungen. Einer meiner persönlichen “Lieblings-”Artikel listet bereits einige spannende Wechselwirkungen und Gedanken auf:
Stefan Brosig: Pferdefütterung: nutzloser Futterzusatz Selen

Futterbestandteile “unter” sich und ihre Wechselbeziehungen:

Futter-Bestandteile Mangel Überschuss Wechselwirkungen
Biotin Biotinmangel führt in der Leber zu Störungen in der Eiweißsynthese. - -
Cholin
gehört zu den B-Vitaminen
vor allem in Weizenkeimen und Soja enthalten
Cholin-Mangel kann zu Leberverfettung führen - erhöhter Cholin-Bedarf bei fettreicher Ernährung
(wichtig daher bei PSSM-Pferden!)
Cholin wird aus Methionin gebildet und ist eine Komponente des Lecithins
Kobalt Kobaldmangel führt zu mangelhafter Bildung von Vitamin B12
=> entstehende Symptome
Störungen in der Rohfaserverdauung, schlechtem Muskelansatz, geringe Gewichtszunahme, Infektanfälligkeit
- Kobalt ist für die Bildung von Vitamin B12 nötig
Phytate - Hoher Phytatgehalt im Futter schränkt die Aufnahme von Calcium, Eisen, Magnesium, Mangan und ganz besonders Zink ein -
Stärke - Hohe Stärkefütterung führt zu einem Mehrbedarf an B-Vitaminen -
Vanadium Vanadium-Mangel führt wahrscheinlich zum Ansteigen des Cholesterinspiegels Vorsicht Überdosierug wirkt toxisch Vanadium wird hinsichtlich EMS diskutiert:
Maiskeimöl enthält viel Vanadium (100gr Maiskeimöl enth. ca. 1000 Microgramm Vanadium)
Vanadat hat eine Insulin-ähnliche Wirkung
Vit-E Vit-E Mangel erhöht den Bedarf an Selen hohe Vitamin E Zufuhr verstärkt Selen-Ausscheidung
Vit-B12
wird vom Pferd bei der Kobalt Verwertung selbst gebildet
auf Kobalt Versorgung achten! Vit B12 Mangel führt zu Störungen der Darmflora (wohl bei Pferden aus Osteuropa häufiger) Vit B12 wird als einziges Vit B gespeichert.Ein Überschuss wird wohl über den Urin ausgeschieden. Zink + Mangan + B12 sind beteiligt an der Regeneration der Schleimhäute => Vit B12 Mangel kann somit z.B. zu Magenschleimhaut-Problemen führen / bei Bandwurmbefall kann Cobalt nicht ausreichend verwertet werden, woraus ein Vit-B12 Mangel entstehen kann.
Zink Zinkmangel i.V. mit Vitamin A Mangel kann zu Nachtblindheit führen.Zinkmangel kann zu Störungen im Kohlenhydratstoffwechsel führen - Zink + Mangan + B12 sind beteiligt an der Regeneration der Schleimhäute

Mit Hilfe eines Blutbildes kann die Versorgung mit Mengen- und Spurenelementen nur annähernd überprüft werden. Einzelne Hinweise kann eine Blutuntersuchung beim Pferd jedoch liefern, die dann mit den vom Pferd gezeigten Symptomen abgestimmt Hinweise auf Fehlversorgungen ergeben können.

Verhältnis einzelner Futtermittelbestandteile zueinander

Jetzt gilt es noch eine Vorstellung der Verhältnisse einzelner Mengen- und Spurenelemente untereinander zu bekommen:

Hier möchte ich auf einen Beitrag im Hufreheforum verweisen:
siehe hufrehe-forum.de Empfehlungen nach Dr. Elenor Kellon für Verhältnisse von Mineralstoffen zueinander z.B. bei ECS / PPID

Diskussionsbedarf und Forschung ist hier gegeben:

Eisen : Kupfer
4 : 1 (Diskussion lt. Dr. Kellon bei ECS / PPID)
8 : 1 (lt. Meyer Pferdefütterung)

Calcium : Magnesium
(1,5 bis 2)  : 1 (Diskussion lt. Dr. Kellon bei ECS / PPID)
2,4  : 1 (lt. Meyer Pferdefütterung)

Calcium : Phosphor
wie Calcium : Magnesium
aber max 2,5 : 1 (Diskussion lt. Dr. Kellon bei ECS / PPID)
1,6  : 1 (lt. Meyer Pferdefütterung)

Kupfer : Zink
max 1 : 3 (Diskussion lt. Dr. Kellon bei ECS / PPID)
1 : 8 (lt. Meyer Pferdefütterung)

Kupfer : Zink : Mangan
1 : 3  : (2,5 bis 3) Manganüberschuss aber ausschliessen (Diskussion lt. Dr. Kellon bei ECS / PPID)
1 : 8  : 6,4 (lt. Meyer Pferdefütterung)

 

Quellenangaben:

Buch: Kraft / Dürr: Klinische Labordiagnostik in der Tiermedizin
Buch: Helmut Meyer Pferdefütterung
Buch: Ingolf Bender: Praxishandbuch Pferdefütterung
Buch: Dr. Susanne Weyrauch-Wiegand: Moderne Pferdefütterung

Linktipps

Dr. Stefan Brosig: Selen
Ein weiterer oft nutzloser Futterzusatz bei Pferden

hufrehe-forum.de:  Mineralstoffe und Wechselwirkungen