Verschiedene Trensengebisse im Pferdemaul

Wie liegen Trensengebisse überhaupt im Pferdemaul? Was passiert, wenn an den Zügeln Zug ausgeübt wird?

Es passiert so viel im Verborgenen. Wichtig ist es für uns als Reiter sich darüber wirklich mal Gedanken zu machen! Was tun wir da eigentlich mit unseren (manchmal) nicht ganz koordinierten Händen?

Eine interessante „Bakkalaureatsarbeit im Studiengang Pferdewissenschaften von Friederike Uhlig“
Darstellung der Lage verschiedener Trensengebisse im Pferdemaul bei Einwirkung unterschiedlich starken Zügelzuges am gerittenen Pferd im Halten.

Ziel der Untersuchung soll sein, die nicht sichtbaren Interaktionen von verschiedenen Trensengebissen mit den Strukturen in der Pferde-Maulhöhle darzustellen und deren Wirkungen zu verdeutlichen. Der Sachverhalt zwischen Lage der Trense und definiert ausgeübter Zügelkraft soll visuell präsentiert werden.

Das Studium dieser Arbeit lohnt: einfach mal eine Tasse Tee oder Kaffee nehmen und in Ruhe durchlesen.

Allein die gute Darstellung der Anatomie des Pferdekopfes, sich nochmals bewusst zu werden, wo welche Nerven am empfindlichen Pferdekopf verlaufen, ist schon spannend und wichtig für uns als Reiter.

Und dann wird es wirklich interessant: Was passiert wohl im „geschlossenen“ Pferdemaul, wenn ein Trensengebiss im Maul liegt? Und was ist der Nussknackereffekt beim einfach gebrochenen Trensengebiss wirklich?

Die Wirkung von Trensengebissen wird in der Reitlehre teilweise sogar unterschiedlich vermittelt. Wissenschaftliche Messungen liegen bislang nur aus wenigen Studien vor. Diese bestätigen die Annahmen nur zum Teil und es sind durchaus neue Erkenntnisse in die Betrachtungsweise zur Wirkung der Gebisse aufzunehmen.

Während sich die Pferde-Zunge ohne Trense dem Gaumenverlauf anpasst und die gesamte Maulhöhle ausfüllt, stellte sich schon mit Trense am hingegebenen Zügel eine sichtbare Veränderung ein. Wobei die doppelt gebrochenen Trensen tiefer in die Zunge gedrückt hatten als die einfach gebrochenen Trensen.
Darüber hinaus verändert sich die Kieferhaltung im Vergleich zur natürlichen Haltung mit geschlossenem Kiefer der Pferde, sobald ein Trensengebiss im Maul liegt – also auch am hingegebenen Zügel und nicht erst beim Zügelanzug.

Die Verwendung des Reithalfters spielt bei der Wirkung des Trensengebisses eine große Rolle. Die korrekte Verschnallung, die dem Pferd das Öffnen des Kiefers ermöglicht, sollte selbstverständlich sein. So wäre das Reithalfter auch nicht als Zwangsinstrument anzusehen, sondern gewährleistet durchaus einen gewissen Schutz des Pferdemauls, weil der Druck des Gebisses auf das Maul und den Nasenrücken verteilt wird (BÜRGER, 2006). Sobald das Reithalfter jedoch zum exzessiven Zuschnüren der Pferdemäuler genutzt wird, verstärkt sich die Wirkung der Trensengebisse.

Wieviel Kraft wirkt auf das Pferdemaul?

In Studien zur Zügelkraftmessung wurden alarmierende Zahlen festgestellt. FELSINGER (2004) fasste die Ergebnisse von PREUSCHOFT et al. (1999), WITZMANN (2007) und CLAYTON et al. (2003) zusammen, aus denen eindeutige  Unterschiede zwischen den verschiedenen Reitweisen feststellbar waren.

So blieben die Zügelkräfte bei Iberischen- oder Westernreitern fast immer unter dem Messwert von 1 kg und schnellten nur bei ganzen Paraden kurzfristig auf 2–5 kg. Hingegen wurden bei manchen Dressurreitern schon im Schritt dauerhafte Kräfte um 2 kg gemessen. In verschiedenen Lektionen und bei ganzen Paraden herrschten Kräfte bis zu 12,5 kg und mehr pro Zügel. Diese Kräfte präsentierten sich nicht als gleichmäßige Anlehnung, sondern traten in Spitzen auf, die sich in Abhängigkeit der Geschwindigkeit und dem Rhythmus der Gangart änderten. CLAYTON et al. (2003) stellten fest, dass ein gleichmäßiger Zügelzug vom Reiter niemals zustande kam und auch WITZMANN (2007) zeigte, dass die vom Reiter gefühlte gleich große Kraft immer zu einer asymmetrischen Lage des Gebisses im Pferdemaul führte.

STAHLECKER (2007) fand heraus, dass unserem Auge der Zügel schon gestreckt und in Anlehnung stehend erscheint, wenn dieser vom Reiter noch gar nicht aktiv in Spannung gehalten wird. Stellt der Reiter aktiv eine feine Zügelanlehnung her, indem er diesen nur gerade straff hält, wird die Zunge schon mit mehr als 4 kg belastet.

Aus den Untersuchungen geht hervor, dass die in der Reitlehre geforderte feine, gleichmäßige Anlehnung praktisch nicht existiert.

Deutlich sollte man sich vor Augen halten, dass am Gebiss die doppelte Kraft beider Zügel wirkt und aufgrund der speziellen Wirkungsweise jeder Trense noch mit einem Faktor zwischen 2–3,5 multipliziert werden muss (PREUSCHOFT 1993). Die hier applizierte Zugkraft von 3,75 kg verursacht bei passender Trense allein im Halten Kräfte von ca.15 kg im Pferdemaul.

Ganz wichtig der Schluss-Satz der Doktorarbeit:
Ein großer Schritt in Richtung des respektvollen Umgangs mit dem Pferd und zum tatsächlichen Happy Athlet ist schon getan mit dem sinnvollen und gefühlvollen Einsatz der Zäumung. (Friederike Uhlig)

Link zur Bakkalaureatsarbeit im Studiengang Pferdewissenschaften
Friederike Uhlig
Darstellung der Lage verschiedener Trensengebisse im Pferdemaul bei Einwirkung unterschiedlich starken Zügelzuges
https://dressur-studien.de/wp-content/uploads/studie_uhlig_bakkalaureatsarbeit.pdf

3 Comments

  1. selbst cavallo hat oft mit röntgenbilder eindeutig gezeigt, wie gefährlich falsch angefassten kandaren wirken können. ich bin ehrlich: auf distanzen traue ich mir keine zu fahren…. nach mindestens 30km dauerfahren oder mehr, bin ich nicht mehr in der lage feine hilfen an einer kandare zu geben. @buggyfahrer…. weißt du wie fein mein joe am gebiss geht? an einer wassertrense? übrigens ist jedes meiner pferde so fein gegangen! nur das „ausrücken“ einer zitrone ist die hilfe am zügel beim großpferdereiten/-fahren und auch beim shetty-fahren. bei großpferden kommt noch das leinengewicht dazu. da ist es etwas mehr. aber nicht viel! ich würde keinen „zack“ durchbekommen. (zack ist ein test. ein plastikplättchen wird mit sicherung zwischen gebiss und zügel gepackt. reisst das zack, ist das gewicht durch die reiterhand zu stark!) und ich behaupte, ich könnte mit etwas ausbildung joe auch am halfter fahren…. aber dazu gehört eben nicht nur ein „dann mach mal“, sondern richtig ausbildung! und mit „ich mache mal“ sind schon genug unfälle passiert! auf distanzen sind gebisslose zäumungen beim fahren verboten! warum sollte ich dann zeit damit verbringen?

  2. Ines Meister

    Ich habe einige Auszüge aus Ihrer Arbeit gelesen. Ich wollte sie fragen ob sie in irgendeiner Form eine Aussage machen können wieweit eine viel zu eng verschnallte Trense negative Auswirkungen auf das Pferd und damit verbunden die Losgelassenheit hat. Ich benötige ein wissenschaftlich belegtes Dokument um einen unserer Ausbilder zu überzeugen. Vielen Dank – Ines Meister

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