Spurenelement Mangan beim Pferd

Mangan ist in der Pferdefütterung eigentlich noch gar nicht wirklich in den Blickpunkt geraten.

Nach Meyer wirkt Mangan als Kofaktor in zahlreichen Fermentsystemen (Knochen- und Fettstoffwechsel), Mangan ist aber auch essentiell für die Funktion der Eierstöcke.

Der Manganbedarf wird nach Meyer und Bender bei 40 mg/kg Futter-Trockensubstanz gesehen. Dort finden sich folgende Werte: Manganbedarf beim Pferd liegt bei 0,48 mg pro kg Körpergewicht.  Im Allgemeinen wurde davon ausgegangen, dass es nicht zu einem Manganmangel bei Pferd kommen könnte. Wobei aber Meyer und Bender schon darauf hinweisen, dass kalkhaltige Böden (bzw. stark gekalkte Flächen) mit hohem ph-Wert und Sandböden einen niedrigeren Manganwert haben. Luzerneheu ist Mangan-ärmer als Gras-Heu.

Frau Dr. Weyrauch geht von einem Manganbedarf von etwa 1 mg pro kg Körpergewicht beim Pferd aus. (Und liegt damit beim Doppelten der obigen Einschätzung!) Damit haben wir bereits eine gewisse Unsicherheit bei dem tatsächlichen Manganbedarf beim Pferd. Womit soll man rechnen?

Den Manganbedarf über Heu zu decken, klappt nur noch in einigen Regionen mit kräuterreichem (Gebirgs-)Heu. Der Mangangehalt im Heu schwankt stark: 35 mg/kg (Timothy-Hay) bis hin zu 200 mg in gutem Voralpenheu.

Hier wird deutlich: Es gilt eine REGIONALE Beurteilung! Nur was im Boden drin ist, kann später auch im Heu enthalten sein! Je nach Region gilt es zu rechnen: aufgrund der unterschiedlichen Mangan-Gehalte im Heu ergibt sich manchmal sogar ein leichter Mangan-Überschuss und in anderen Regionen benötigen die Pferde dringend noch Mangan-Ergänzungen im Futter.

Die Beiträge von Dr. Weyrauch zeigen einige interessante Überlegungen:

Pferde bestimmter Linien scheinen einen erhöhten Manganbedarf zu haben. Sie sind oft besonders auf Leistung oder reichlich Muskulatur gezüchtet. Im Charakter zeigen sich diese Pferde ebenso oft dominant, verfügen über einen eher speckigen Kamm und neigen zu Hufrehe. Bei PSSM Pferden wird ebenfalls ein erhöhter Manganbedarf diskutiert.

Wie erkennt man, dass das Pferd einen erhöhten Manganbedarf hat?
Pferde, die einen Mangan-Mangel haben, wirken oft sehr verspannt und steif, und neigen zu Gelenks- und Sehnenproblemen. Auffallend sind hohe Muskelwerte im Blutbild, aber auch die Neigung zu Kreuzverschlag, Übersäuerung, Fühligkeit auf der Huflederhaut bis hin zu Hufrehe.

Manganmangel taucht bereits häufig bei der Aufzucht auf, die dann z.B. zu Kissing Spines, Osteochondrosis (OCD) und Muskelerkrankungen führen können. Die Neigung zur Entwicklung von Überbeinen, Knochenbildungsstörungen, sowie Gelenksdeformationen können somit in vielen Fällen auf Manganmangelzustände zurückgeführt werden. Ebenfalls können Sarkoide auf einen Manganmangel hinweisen.

Mangan spielt im gesamten Organismus eine große Rolle: Wirklich schnell sichtbar sind die Auswirkung von Mangan-Mangel auf den Bewegungsapparat: steife Bewegungen, verspannte Muskulatur, Fühligkeit und die Wirkung auf Gelenke. Pferde mit Mangan-Mangel reagieren unglaublich schnell auf die Zufütterung von Mangan-Ergänzungsmitteln. Bereits nach 3 Tagen vermutet das Bauchgefühl des Pferdebesitzers eine Veränderung. Jedoch glaubt man daran nicht: nach 10 Tagen wird es deutlich und nach 3 Wochen wird man von Stallkollegen angesprochen, wie fit doch das Pferd sei.

In Deutschland finden sich regional Gebiete mit hohen Mangan Gehalten in Böden und Heu. Eine „Manganüberschußkrankheit“ beobachtet man bei den Pferden auf manganreichen Gras- und Waldweiden von Nordskandinavien. In anderen Regionen wie NRW oder Rheinland Pfalz oder in Baden Württemberg im Rheintal findet sich im Heu regional eher weniger Mangan. Es gilt also wirklich genau hinzusehen und zu rechnen.

Es gilt nach dem Gesetz des Minimums nach dem Auslöser zu suchen: Was fehlt? Das kann eine Aminosäure sein oder bei den Spurenelementen manchmal eben auch Mangan.

Manganbedarf / erhöhter Bedarf

Ausgehend von einem Manganbedarf von etwa 100 mg pro 100 Kilogramm Körpergewicht, steigt der Manganbedarf jedoch noch unter folgenden Umständen:

  • bei Stress
    Stress ist z.B. bei RER und PSSM einer der auslösenden Krankheitsursachen!
  • (Hoch)-Leistung im Sport
  • Sonneneinstrahlungen
  • diskutiert wird auch ein höherer Manganbedarf bei Erkrankungen mit Störungen im Kohlenhydrat- oder Fettstoffwechsel (und damit sind wir bei einer Vielzahl der heutigen Stoffwechselerkrankungen wie PSSM, RER, EMS etc.)
  • bei der Stute im letzten Drittel der Trächtigkeit
  • während der Aufzucht von Jungpferden: im Wachstum für die Entwicklung von Knorpeln, Knochen und Muskeln
  • Pferde mit chronisch obstruktiver Bronchitis (COB / COPD – mit aktuellem Namen = RAO, Recurrent Airway Obstruction) profitieren von zusätzlichen Mangangaben
  • da Mangan neben Zink und Vitamin B12 für alle Schleimhäute wichtig ist, sollte bei Magen- und Darm-Problemen auch an Mangan gedacht werden

Gegenspieler und Wechselwirkungen

  • zu viel Eisen beeinträchtigt die Aufnahme von Phosphor, Mangan und Kobalt
  • Gegenspieler zu Mangan sind: Calcium, Kupfer und Zink

Mangan-Mangel im Blutbilder erkennen

Neben dem eigentlichen Blutparamater Mangan, bei dem die Referenzwerte für das Pferd  noch nicht wirklich als gesichert gelten, können andere Blutparameter indirekt auch auf Mangan-Mängel hindeuten. siehe Blutbilder lesen, Blutparameter beim Pferd hinsichtlich der Spurenelemente deuten

Lt. Frau Dr. Weyrauch-Wiegand:
Die Referenzwerte für Mangan sind unklar. In der Rinderfütterung wird ein Wert von 3 µg/l im Serum angestrebt. Blutserumwerte von unter 1,5µg/l haben sich bei Pferden als kritisch gezeigt. Die Anfälligkeit für Muskelverspannungen, Sehnenschäden, Knochenbrüche oder Aortenrisse steigt mit dem verminderten Manganwert im Blut.

Quellenangaben:

Buch: Kraft / Dürr: Klinische Labordiagnostik in der Tiermedizin
Buch: Helmut Meyer Pferdefütterung
Buch: Ingolf Bender: Praxishandbuch Pferdefütterung
Buch: Dr. Susanne Weyrauch-Wiegand: Moderne Pferdefütterung

Linktipps

Tier-Naturheil-Therapie: Mangan in der Pferdefütterung
Mangan wird in vielzähligen Prozessen im Pferdeorganismus benötigt: das essentielle Spurenelement ist manchmal aber nicht ausreichend im Futter enthalten. Welche Symptome entstehen bei Mangan-Mangel? Kann man Hinweise im Blutbild erkennen?

dr.WEYRAUCH Wie man nervöse Pferde mutig füttert
Ein Mangel an Mangan behindert die Umsetzung von Vitamin B1 und provoziert so sekundär ein nervliches Problem. Ein Manganmangel führt zu Verspannungen in der Muskulatur und hemmt die Regeneration des Bindegewebes. Dadurch können Muskelverpannungen, Blockaden aber auch Gelenksdeformationen entstehen, die wiederum zu Schmerzen und damit zu unkalkulierbarem Verhalten führen.
[…] Mangan macht Mut

Dr. Susanne Weyrauch: Das Spurenelement Mangan
Wenn es um lockere Muskeln und Gelenkschutz geht, spricht man meistens von Vitamin E und Selen, Calcium oder Magnesium. Eine viel größere Bedeutung für den Muskelstoffwechsel, den Knochen- und Gelenksaufbau hat jedoch Mangan, ein relativ verkanntes Spurenelement. […] Für Knorpelgesundheit und optimales Bindegewebe, Knochenaufbau: Mangan ist Schlüssel für einen gesunden Stoffwechsel

2 Comments

  1. Ganz vorsichtig möchte ich den Begriff „hochwertiges Mineralfutter“ hinterfragen. Ein Mineralmangel entsteht dann, wenn nicht genügend Mineralien im Futter vorhanden sind. Es kommt also darauf an, was im jeweiligen Mineralfutter wirklich „drin steckt“ und was davon das Pferd tatsächlich aufnehmen / verdauen / verstoffwechseln kann. Ein Mineralfutter ergänzt die fehlenden Inhalte der Futter-Ration. Also gilt es zunächst darauf zu schauen, was ist im jeweiligen Heu, im Gras und ggfs. was ist in dem Kraftfutter enthalten bzw. eben nicht enthalten. Die fehlenden Komponenten ergänzt das Mineralfutter. So wird also regional bzw. bei einzelnen Pferden auch eine entsprechende unterschiedliche „optimale“ Mineralergänzung nötig.
    Es ist ja schliesslich das Problem: bei der Mineral- bzw. Spurenelemente-Versorgung gilt nicht unbedingt viel hilft viel, sondern eben das nötige sollte im richtigen Maße in der Fütterung enthalten sein.

    So gibt es keine pauschalen Antworten. Um ein wenig Rechnen und überlegen und auch um Spurensuche kommt man wohl nicht wirklich drumherum.

  2. heike kaiser

    kann man davon ausgehen , daß ein pferd , welches ständig hochwertiges mineralfutter bekommt , keinen mineralmangel haben kann ??

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