Warum sollten wir überhaupt zwischen den Begriffen “Reiten” und “Bodenarbeit” eine solche Trennlinie ziehen?
Unsere Pferde beobachten und registrieren sehr genau unser Verhalten. Nicht erst beim Reiten besteht eine Beziehung oder eine Kommunikation zwischen Mensch und Pferd.
Wir kommunzieren IMMER sobald wir in der Nähe des Pferdes sind. Trotzdem ist es manchmal erstaunlich, dass Reiter / Pferdemenschen ganz unterschiedliche Anforderungen an ihr Pferd stellen: wird das Pferd geführt oder geht einfach nur zum Putzplatz wird gezogen und gerempelt, sobald der Reiter aufsitzt soll das Pferd aber auf leichteste unsichtbare Hilfen reagieren.
Schon wenn wir die Box oder den Paddock / Wiese von den Pferdeäppeln absammeln und in gebeugter Haltung um unsere Pferde herumwuseln, macht sich das Pferd schon ein Bild von unserer heutigen Stimmungslage.
Ich will hier nicht wieder ein weiteren Bericht zum Thema “Dominanz” veröffentlichen.
Der Begriff ist abgegriffen und häufig genug diskutiert.
Also … wozu Bodenarbeit?
Bodenarbeit – als Abwechslung
Bodenarbeit kann die Vielfalt, was wir mit unseren Pferden gemeinsam unternehmen können, um eine sehr spannende Abwechslung bereichern.
Wir können es unseren Pferden einfacher machen neue Aufgaben zu lernen.
Pferde können motiviert werden.
Pferde können auf das Reiten vorbereitet werden.
Wir können unsere Kommunikationsfähigkeit am Boden schulen.
und…. man kann einfach Spaß haben.
Und noch ein großer Vorteil: bei Schwierigkeiten sind wir Menschen auf dem Boden standfester. Wir können agieren ohne uns Gedanken machen zu müssen, ob wir auf dem Pferderücken in “Wohnungsnot” geraten könnten. Alles was das Pferd ohne Reiter bereits gelernt hat, fällt ihm später unter dem Reiter deutlich leichter.
Das Pferd lernt – während der Mensch am Boden ist
Die Lernmethoden gelten immer – also auch jetzt bei der Bodenarbeit:
Jede neue Aufgabe ist in kleine Teilaufgaben zu zerlegen. (Das ist unsere Vorarbeit – und es schadet nichts, wenn man sich zu Hause schon ein paar Notizen macht und dann versucht die einzelnen Aufgaben umzusetzen. Es kommt schon mal vor, dass man hilflos und ideenlos vor dem Pferd steht, und es einem überhaupt nicht mehr einfallen mag, was man sich überlegt hatte.)
Dann geben wir dem Pferd ein Zeichen – versuchen dem Pferd klar zu machen, was dieses Zeichen bedeutet – und LOBEN sobald es einen Ansatz macht die richtige (von uns erwartete) Reaktion zeigt.
Mit der Zeit kann man das Lob immer dosierter einsetzen: Es wird gelobt, sobald das Pferd eine wirklich gute Reaktion gezeigt hat.
Bea Borelle umschreibt dieses Vorgehen in Ihrem Buch mit dem kurzen Merksatz:
Signal – Umsetzung – Lob
Der Verlauf einer positiven Konditionierung ist:
Signal → richtige Ausführung → stimmliches Lob → Futterlob → Pause → Stimmung ausklingen lassen → Pferd nachdenken lassen → Wiederholung des Signals → richtige Ausführung → usw.
[Zitat aus: Bea Borelles Pferdetraining]
Pferde können nur das umsetzen, was sie auch verstehen. Können wir uns nicht verständlich machen, dann dürfen wir unsere Pferde nicht strafen. Wir müssen unser Verhalten ändern!
Pferde kommunizieren sehr viel über Körpersprache und sie können sehr gut unsere Stimmung aufnehmen. Also nutzen wir das doch ![]()
…. und schaffen erst einmal ein Umfeld, in dem das Pferd überhaupt lernen kann.
Nur ein ruhiges und entspanntes Pferd kann lernen.
Ein in Panik aufgebrachtes Pferd hat keine Zeit zum Lernen.
Einem Pferd das Einfangen beibringen zu wollen, indem wir alle anderen Pferde von der Weide holen und es allein zurücklassen – kann z.B. keine ruhige Arbeitsatmosphäre schaffen.
Hat das Pferd kein Vertrauen zum Menschen und klebt verhältnismässig stark an den anderen Pferden, wird es in Aufregung – wenn nicht sogar in Panik geraten. (Von der Herde getrennt zu werden bedeutet in Freiheit: Todesgefahr)
je nach Temperament des Pferdes wird es versuchen, ohne Rücksicht auf Mensch und Tier (sprich sich selber) die Zäune zu überwinden bzw. in absoluter Aufregung hin und her zu rennen und für den Menschen keinerlei Beachtung übrig haben.
Wir sollten die ersten Bodenarbeitsübungen in einem eingezäunten Bereich beginnen, in dem sich Pferd und Mensch wohl und sicher fühlen. Später verlegt man wie selbstverständlich auch die Übungen ins Gelände.
Wie kann Bodenarbeit nun aussehen?
Welche Hilfsmittel Sie dazu nutzen ist (fast) nebensächlich. Die einzelnen Methoden (ich will nicht sagen: Guru-Methoden) haben selbstverständlich alle aus Marketinggründen ihre eigene Ausrüstung.
Für die Bodenarbeit braucht man in erster Linie sich selber und das Pferd. Was dann noch notwendig ist, kann man entscheiden, wenn man eine Methode kennengelernt hat und sie so ansprechend findet, dass man dabei bleiben möchte.
Zu beachten ist aber, dass das Zubehör die sichere Handhabung der einzelnen Übungen unterstützt. Sicherheit steht für Mensch und Tier immer im Vordergrund.
Aber jeden Modetrend muss man nicht mitmachen.
Eine tolle Möglichkeit einen ersten Einstieg in die Bodenarbeit zu bekommen ist ein Seminar: Das FS Reit-Zentrum Reken bietet T.T.E.A.M.-Kurse an, die die TTEAM-Arbeit von Linda Tellington Jones unterrichten.
Die phantastischen Aussenanlagen mit dem Rekener Dach und dem Spielepark bieten eine tolle Umgebung für einen intensiven Kurs.(Eine ganz persönliche Einschätzung: )
Hervorzuheben ist die Fachkompetenz der Rekener Seminare. Dort wird aus Überzeugung unterrichtet!
Ein schönes Erlebnis: Während des Seminarverlaufs wurde mir häufiger erläutert, wie man bestimmte Situationen bei der TTEAM-Arbeit und wie man sie wohl beim Natural HorsemanShip bewerten und bewerkstelligen würde. Das kann natürlich nur eine Seminarleitung, die auch weiss, worüber sie redet.
In Reken habe ich unterschiedliche Kurse belegt: u.a. einen TTEAM-Kurs – weil ich neugierig war – und 1993 begonnen hatte, mein älteres Pferd nach den Ideen aus den Büchern von Linda Tellington Jones mehr Vertrauen zu schenken und mit meinem Jungpferd bin ich zu einem Kurs mit Dr. Alfonso Aguilar: Natural Horseman Ship / Natural Concept.
Nicht nur in diesen beiden Reken Reitkursen bot der Spielpark unendlich viele Möglichkeiten den Pferden Vieles beizubringen!
Unsere Pferde sind äußerst lernbereit!
Ich möchte hier keinen ständigen Methodenwechsel anpreisen! Wenn wir einmal Zeichen/Hilfen bei unserem Pferd etabliert haben, sollten wir diese Sprache nicht am kommenden Wochenende wieder gänzlich ändern, nur weil dann der nächste Kurs ansteht. Wir sollten darauf achten, dass wir uns und unsere Pferde nicht unnötig verunsichern.
Aber wenn das Pferd nicht in eine erlernte Hilflosigkeit verfallen ist, sondern neugierig und offen ist und ausprobiert, dann kann man einen wohl überlegten Ausflug in ein Seminar mit einer anderen “Methode” wagen.
Grundsätzlich gibt es nicht wirklich unterschiedliche Methoden: hinter den pferdegrechten Bodenarbeits-Methoden sollte IMMER der identische Sinn stehen: Ich will mein Pferd nicht zu einer Maschine ausbilden – sondern ich will mein Pferd anleiten, dass es Spaß hat zu lernen: Motivation ist das Ziel
Wie oben erwähnt: Signal – Umsetzung – Lob
Dabei tritt dann die Einhaltung einer ganz bestimmten Technik in den Hintergrund.
Die Technik ist zunächst wichtig, weil man als Einsteiger im wahrsten Sinne des Wortes erst einen Einstieg nutzen muss. Man braucht zunächst einmal Übungen und Handgriffe, dass die ersten Schritte überhaupt funktionieren. Danach ist Phantasie gefragt
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von Simone Förster-Schüring
Tier-Naturheil-Therapie