Loben

Motivation durch Belohnung

Sogar bei diesem Thema „scheiden sich häufig die Geister“ :
In Fach-Zeitschriften und Gesprächen streiten sich auch Experten. Belohnung JA – aber in welcher Form? Belohnung als Futterbelohnung? Belohnung nur durch akustische Reize? Oder wie sieht es mit einer Kombi wie beim Klickertraining aus?

… mit geöffneten Ohren durch einen Stall gehen

Probieren Sie doch einfach mal Folgendes:

Sie betreten eine Stallgasse am frühen Abend und stellen sich einfach mal ganz unbeobachtet in eine Ecke. Erleben Sie dann ganz bewusst einmal die Athmosphäre, die auf der Stallgasse herrscht.

„Jetzt bleib´doch endlich einmal stehen!“
„Kannst Du mir nicht mal gescheit den Huf geben!“
„Herrgott – jetzt bleib doch endlich mal still stehen!“
„Wie wäre es mal – wenn Du mal ´rum gehen würdest?“

Mehr oder weniger freundlich, werden Pferde angesprochen … Haben Sie eigentlich schon häufiger Pferdebesitzer erlebt, die ihre Pferde loben?

Loben fällt uns häufig schwer

Naja, ganz so schlimm ist es nun auch wieder nicht in Deutschlands Ställen … oder doch?

Wenn wir ehrlich mit uns sind, dann fällt schon auf, dass Loben viel schwieriger ist als Kritik. Gerade wenn man selber nicht wirklich ausgeglichen ist, aus dem Stau noch schnell in den Stall düst oder gedanklich immer noch um den letzten Streit oder um Arbeitsproblemen kreist, bemerken wir manchmal gar nicht, welch tolle „Angebote“ uns unsere Pferde machen. Uns fällt häufig nur das auf, was doch sonst immer so gut funktioniert und heute eben nicht klappt!

In so einem Moment die Ruhe zu finden, das Pferd für richtiges Verhalten zu loben und zwar auch noch exakt im richtigen Moment fällt schwer.

Dennoch….

Überlegen Sie in welcher Athmosphäre es Ihnen selber leichter fällt zu lernen bzw. zu arbeiten.
Eine solche Athmosphäre gilt es für das Pferd und sich selber zu schaffen.

Was bedeutet nun „loben“?

Wir brauchen selbstverständlich nicht jede Bewegung und jede Reaktion des Pferdes ununterbrochen zu loben. Das wäre dem Pferd sogar lästig …

Motivation

Jede Reaktion im Zeitfenster von 2 – 3 Sekunden nach dem jeweiligen Verhalten gehört zur Bestärkung. Hier sollte mehr Augenmerk auf die positive Bestärkung gelegt werden.

Noch vor der Überlegung, was eigentlich ein Lob sein könnte, möchte ich zwei Gedanken stellen:

  1. Um wirklich ein anderes Lebewesen motivieren zu können, muss ich selber echte Begeisterung aufbringen und zeigen wollen. Es muss eine echte Freude über das Gezeigte des Gegenübers aufkommen!
    Unsere Pferde nehmen es uns nicht ab, wenn wir mal eben so tun als ob, als ob wir uns freuen, als ob wir loben möchten, als ob wir Spaß am gemeinsamen Erleben haben ….
  2. Um ein Pferd zu motivieren, gilt es zunächst einmal heraus zu finden, was das jeweilige Pferd gerne mag.
    Für einen 3 jährigen Blüter kann Still-Stehen eine echte Aufgabe, ja fast schon eine Strafe sein. Für den 25 jährigen Kaltblüter ist die Pause mit Stillstehen und Streicheln bei der Bodenarbeit das Lob und ein echtes Highlight schlecht hin!
    Unsere Pferde sind Individuen mit sehr unterschiedlichen Vorerfahrungen.
    Natürlich können theoretische Modelle unser Wissen erweitern, aber das tägliche Miteinander wird individuell mit Leben zweier Individuen gestaltet.


Wie könnte ein Lob i.S. „Positive Verstärkung“ aussehen? 

  • echte Begeisterung beim Menschen (Wiederholung versinnbildlicht)
  • stimmliches Lob
  • taktiles Lob: ein kurzes Streicheln bzw. eine Berührung
  • Futter / Futterbelohnung
  • Ruhe(Pausen) anbieten
  • eine Lieblingsübung des Pferdes abfragen
  • Training beenden
  • […]

Wichtig hierbei ist es, das Gefühl zu schulen, damit man sich in das jeweilige Pferd hineinversetzen kann.
Es gilt zu erkennen, wie häufig Übungen wiederholt werden können, wie lange man nach einer Übung dem Pferd eine Pause gibt, wann man lobt etc. Timing ist wichtig.

Lernaufbau…. Vorgehen…

In der Verhaltensbiologie hat sich Folgendes herausgestellt:
Zu Beginn einer Lernphase muss jeder Versuch (und sei er noch so klein!) belohnt werden. Hat das Pferd einmal den Weg gefunden, was man von ihm will, belohnt man nur noch die korrekten (im Sinne von gewünschten) Versuche seitens des Pferdes die Aufgabe zu lösen.
Ist die Aufgabe eigentlich schon gelernt, wird nur noch unregelmäßig belohnt – bzw. nur noch die wirklich hervorstechend guten Ergebnisse (ggfs. um wieder neue Motivation aufkommen zu lassen – auch zwischendurch mal einen nicht ganz so gelungenen Versuch.)