Spurenelemente im Blutbild

Mengen- und Spurenelemente (-Mangel) im Blutbild

Leider ist es schwer bis gar nicht möglich, im Blutbild die Mengen- oder die Spurenelement-Versorgung unserer Pferde zu überprüfen.
Ein Organismus versucht recht lange auch bei Unterversorgung zu kompensieren: bei Zinkmangel versucht der Organismus „Bestände“ in Haut oder Muskulatur aufzubrauchen um so lange als möglich Funktionen und damit auch Blutparameter ausgeglichen zu halten.

Somit erkennen wir erst deutliche Mangelzustände bzw. Ungleichgewichte anhand einzelner Blutwerte. ABER VORSICHT! Niemals ein einzelnen Blut-Parameter für sich allein beurteilen!
Blutparameter und beobachtete Symptome müssen miteinander beurteilt werden.

Beim Menschen gibt es z.B. einen „Zinkmangel-Geschmackstest“: solange der Mensch eine Zinksulfatlösung „quasi gar nicht “ bzw. nicht als unangenehm schmeckt, solange besteht ein (erheblicher) Zinkmangel.
Es ist interessant wie fein unsere Pferde ähnliches Verhalten zeigen, wenn man sie das Futter selber aussuchen lässt.
Besteht ein Mangel, dann „gieren“ die Pferde nach diesem Futterzusatz. So etwas kann natürlich nur dann beurteilt werden, wenn dem Pferd die Wahl gelassen wird. Gibt es nur einmal am Tag Hafer und über diesen ist der Futterzusatz gestreut, dann bleibt dem Pferd nicht viel anderes üblich als zu fressen, ob es schmeckt oder nicht.

Sollte Klinik und Blutparameter auf ein Problem hindeuten, sollte eine Zufütterung getestet werden: lehnt das Pferd die Gabe jedoch komplett ab, sollte auch darauf gehört werden.

Ein Problem besteht immer, sobald einzelne Mengen- oder Spurenelemente „allein“ zugefüttert werden. Es bestehen umfangreiche Wechselwirkungen zwischen den Mengen- und Spurenelementen. Leider kann man manchmal mehr durcheinander bringen als „gutes Tun“, wenn man nur einzelne Mengen- oder Spurenelement hinzufüttert.

Begeben wir uns auf Spurensuche …
Worauf KÖNNTEN Blutparamter hindeuten?
(Einzelne Blutparameter können – MÜSSEN aber nicht! – auf einzelne Probleme hindeuten. Erst wenn andere Blutparamter ebenfalls einen Verdacht stützen und die klinischen Symptome ebenfalls auf das Problem hindeuten, dann sollte man weiterforschen. Also bitte keine „Panik“ nur aufgrund eines absolut isolierten Wertes!)

Einzelne Blutparameter im Blutbild
Cholesterin
  • erhöht z.B. bei Hormonstörungen, Lebererkrankungen, Cortison (evtl. ECS / PPID), Schilddrüsen-Unterfunktion
  • erniedrigt – u.a. aufgrund von Manganmangel
MCH
  • erhöht z.B. bei hyperchromer Anämie aufgrund
    von Thiamin-Mangel (=Vit. B1 Mangel), Folsäure- oder Vit-B12-Mangel
  • erniedrigt – u.a. aufgrund von hypochrome Anämie, aufgrund Eisen- oder Kupfermangel,
    Vitamin B6 Mangel
MCHC
  • erhöht z.B. bei Folsäure- oder Vit-B12-Mangel;
    evtl. Hinweis auf chronische Leberprobleme
  • erniedrigt – u.a. aufgrund Eisenmangel,
    Kupfermangel, Vitamin B6 Mangel oder auch Eiweißmangelernährung
MCV
  • erhöht z.B. bei hyperchromer Anämie aufgrund von Thiamin-Mangel (=Vit. B1 Mangel),
    Folsäure- oder Vit-B12-Mangel; Leberzirrhose
  • erniedrigt – u.a. bei hypochromer Anämie aufgrund Eisen- oder Kupfermangel, Vitamin B6 Mangel
KupferKupfer fördert die Resorption von Eisen + dem Einbau von Eisen in das Hämaglobin. Hohe Kupferversorgung verstärkt die Selen-Ausscheidung.
  • erhöht z.B. bei zu hoher Kupferaufnahme (Futter, Wasser), kann auf Immunschwäche hindeuten, es kann sich auch ein Manganmangel hinter hohen Kupferwerten verstecken
  • erniedrigt – u.a. bei Leberproblemen Natriumselenit als Selenergänzung verringert Kupferwert im Blut. Gemeinsamer Überschuss von Mangan + Zink + Vit C vermindern die Kupfer-Aufnahme
ManganMangan verbessert die Verwertung von Vit B 1 und kann als Ersatz für Magnesium bei der Energiegewinnung verwendet werden. Gemeinsamer Überschuss von Mangan + Zink + Vit C vermindern die Kupfer-Aufnahme
  • erhöht z.B. bei LeberproblemenMangan (Mn) -Überschuss verschlechtert Zink und Kupfer Aufnahme
  • erniedrigt – diskutiert wird, ob tatsächlich ausreichend Mangan im (Rau-)Futter enthalten ist
    Vorsicht: lt. Heuanalysen gibt es Gebiete mit ausreichend Mangan!
  • WECHSELWIRKUNGEN
    Eisenüberschuss führt zu Zink- und Manganmangel. Da Heu / Gras in vielen Gebieten reich an Eisen sind und in fast allen Mineralfuttermitteln auch noch zusätzlich Eisen enthalten ist, haben Pferde recht häufig einen Eisenüberschuss. Dieser Überschuss führt zu verminderter Aufnahme von Zink- und Mangan weshalb es aufgrund dieser WEchselwirkung sehr häufig zu einem Mangan-Mangel kommt.
SelenSelenbedarf wird durch die Aufnahme von fetthaltiger Futtermittel aber auch durch Fusarium (Verpilzungen des Futters!) erhöht.
  • erhöht – Selen ist falsch erhöht, wenn Zink, Kupfer oder Mangan erniedrigt sind.
    Vorsicht Selen Überdosierug wirkt toxisch
  • erniedrigt – u.a. bei Schwermetalbelastung mit Kadmium, zu hoher Schwefelanteil im Futter,
    Vitamnin E-Mangel
ZinkZink regt die Lymphozytenaktivität an. (Körpereigenes) Cortisol ist der Gegenspieler zu ZinkZink-Überschuss verstärkt Ausscheidung von Kupfer und Eisen
  • erhöht z.B. durch Mineralfutter mit zu hohen Zinkanteilen, Zinkvergiftung
  • erniedrigt – u.a. bei Stress (Stress ist ein Zinkvernichter), bei Eiweiß- und/oder Getreide-Überfütterung oder zuviel Weizenkleie, Infektions-Krankheiten
    Symptome Zn-Mangel: Juckreiz (Schweifjucken bis zum Sommerekzem), Infektanfälligkeit, schlechte Wundheilung, Lustlosigkeit, Mauke, auch Herpes, Unfruchtbarkeit bei Hengsten

Beachten Sie Hinweise der Wechselwirkungen!

Quellenangaben:

Buch: Kraft / Dürr: Klinische Labordiagnostik in der Tiermedizin

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Über das Blut an sich und seine wichtigen und umfassenden Funktionen lassen sich spielend Bücher füllen. Die meisten Erklärungen beziehen sich auf den Humanbereich, weiter unten die Laborwerte sind Pferdespezifisch.

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